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Zusammen! - Lukas Moodysson
“Kinofilm im Theater
Erfolgreiche Premiere für „Zusammen!“ im Ballhof
Von Stefan Arndt | HAZ
Das Leben in einer WG der siebziger Jahre ist Thema des Films „Zusammen!“, der nun als Bühnenversion beim Jungen Schauspiel zu sehen ist. Am Ende gibt es Suppe auf dem Ballhofplatz für Zuschauer und Schauspieler – und alle sind glücklich.
Hannover. Natürlich der Abwasch. Geht es um das Leben in der WG, dauert es nicht lange, bis die Rede darauf kommt. Auch im hannoverschen Ballhof Eins, den Bühnenbildnerin Maria-Alice Bahra mit kaum mehr als ein paar Teppichen und Kissen in eine Kommune verwandelt hat, sorgt dieses Thema schnell für dicke Luft.Dabei wärmt das Ensemble in der Bühnenküche nicht nur die dünne Suppe auf, die am Ende an die Zuschauer verteilt wird, sondern auch jede Menge Klischees aus der Gründerzeit der Wohngemeinschaften. Das Überraschende dabei: Beides schmeckt hervorragend.
Regisseur Florian Fiedler, Leiter des Jungen Schauspiels, hat zwei unterhaltsame Geschichtsstunden angerichtet. Man kann schon etwas von der sozialen Abenteuerlust ahnen, die die Figuren dieser modernen Siebziger-Jahre-Geschichte antreibt, wenn man nur den Raum betritt. Es gibt Musik, bunte Farben und eine ungewohnte Sitzordnung mit – natürlich – freier Platzwahl. Leichter als hier kommt man mit seinen Sitznachbarn nicht ins Gespräch. Zwar muss man im Laufe des Abends ab und an zur Seite rücken oder Parolen skandieren, aber richtig unangenehm wird das nicht. Regisseur Fiedler weiß, wo die Schmerzgrenzen liegen.
Darum kann er sie auch einmal überschreiten. Als einer der putzigen WG-Bewohner das Putzige abstreift und sich radikalisiert (was sich dann in der Verbrennung eines Zehn-Euro-Scheins äußert), rutschen einige Zuschauer von seiner direkten Ansprache unangenehm berührt auf ihren Sitzen herum.
Als Nachgeborener lernt man auf diese Weise beeindruckend beiläufig Humor und Härte kennen, die beide neuen Lebensentwürfen innewohnen können. Und natürlich geht es auch um das alte Thema Liebe: um die zerbrochene, um die frische – und vor allem um die mögliche Liebe. Das lebensnah heterogene Ensemble spielt all das mit Verve und Witz. Sebastian Schindegger etwa wirkt als hilfloser Gutmensch so, als habe er nie etwas anders getragen als seine fabelhaft ideologische Strickjacke (Kostüme: Selina Peyer), und Julia Schmalbrock kann als Vielleicht-Lesbe nicht nur ihren Körper bemerkenswert dehnen (Meditation!), sondern auch ihre Gefühle.
So geht es in „Zusammen!“ auf unterschiedliche Weise um die große Sehnsucht. Die klischeehafte Nostalgie der Handlung ist nur ein Fortbewegungsmittel auf dem Weg dahin. Und dieser eröffnet sich am Ende auch tatsächlich: Die Tür zum Ballhofplatz, der bisher nur in den Livevideos von Bert Zander zu sehen war, ist weit aufgestoßen, Publikum und Schauspieler strömen gemeinsam hindurch ins Freie. Und irgendwie hat man dabei das Gefühl: Alle sind glücklich. Entsprechender Applaus.
Stefan Arndt | HAZ, 4.4.2012” -

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